Gebietsfremde und rückkehrende Tierarten: Text 17 - 12.02.2025: Afrikanische , amerikanische und asiatische Gänsevögel besiedeln Europa und auch Deutschland !

Eingetragen von: HarHilAAn 12.02.2025 19:00:00 43 Lesen

Die Gänsevögel (Anseriformes) sind eine Ordnung der Wirbeltierklasse Vögel, dazu zählen Gänse, Enten und Schwäne, aber auch die Spaltfußgänse (Anseranatidae) aus Australien und Neuguinea sowie die südamerikanischen Wehrvögel.

Sie haben zumeist einen prallen festen Körper mit vergleichsweise kleinem Kopf, der oft an einem langen Hals sitzt.

Die meisten Gänsevögel sind ausgezeichnete Flieger, viele legen als Zugvögel ausgedehnte Wanderungen über tausende Kilometer zwischen ihren Brutplätzen und Überwinterungsgebieten zurück.

Diese Pflanzenfresser leben oft nah am Wasser, ihr Gefieder ist wasserdicht und wird durch ein wasserabweisendes Drüsenöl gepflegt.

Vielen Menschen gefallen Gänsevögel wegen ihres oft farbenprächtigen Gefieders, einige Gänse-, Enten- und Schwanarten werden deshalb auch gern als Ziergeflügel gehalten.

Konrad Lorenz, einer der Gründerväter der Ethologie (der Lehre vom Verhalten von Tieren) untersuchte das instinktive Verhalten von Graugänsen und Dohlen.
Er beschrieb das Prinzip der Prägung, durch das bei einigen Arten eine Bindung zwischen einem neugeborenen Tier und seiner erstgesehenen Bezugsperson entsteht.

Das zeigt „Amy und die Wildgänse“ (Originaltitel „Fly Away Home“), ein 1995/1996 in Kanada gedrehter Spielfilm über die Migration von Kanadagänsen, auf emotional sehr berührende Weise:
Auf ihren Streifzügen durch die Umgebung entdeckt Amy in einem gerodeten Waldstück das verwaiste Gelege einer Kanadagans. Sie entnimmt die Eier und brütet sie in einer Schublade aus. Insgesamt zieht sie schließlich 16 Gänseküken (Gössel) auf.

Die Vögel werden deshalb auf Amy geprägt, betrachten sie faktisch als ihre Mutter und folgen ihr instinktiv. Deshalb möchte Amy ihnen das Fliegen beibringen und sie so zum Vogelzug befähigen.

Für viele Kinder ebenso anrührend ist „Die Weihnachtsgans Auguste“ eine märchenhafte Erzählung von Friedrich Wolf aus dem Jahr 1946.
Sie erschien 1951 in dem Buch „Bummi – Tiergeschichten für große und kleine Kinder“ im Aufbau-Verlag der DDR.
Der für das Fernsehen der DDR produzierte Kinderfilm „Die Weihnachtsgans Auguste“ aus dem Jahr 1987/1988 (uraufgeführt 1988)
handelte von einer Gans, die durch Mästung zu einem Weihnachtsbraten werden sollte. Doch drei Kinder retten die Gans, in einem plattdeutschen Dialekt sprechen kann. Sie wird zwar gerupft, zu einer Tötung kommt es aber nicht mehr und „Gustje“ wird Familienmitglied.

Auf die Spitze getrieben wird die Liebe zwischen Gänsevogel und Mensch in der alten griechischen Sage von Zeus und Leda.
Zeus, der oberste olympische Gott der griechischen Mythologie, verheiratet mit seiner Frau Hera, fand Gefallen an der schönen Leda. Er suchte sie eines nachts in der Gestalt eines Schwanes auf, landete in ihrem Schoß und verführte sie.

Dies stellte Leonardo da Vinci in einem seiner berühmtesten Gemälde dar, das die mythologische Königstochter Leda mit einem Schwan zeigte.
Nach der Sage hatte Leda in der selben Nacht auch mit ihrem Ehemann Sex. Deshalb wird sie mit Vierlingen schwanger, die zum Teil auch aus Eiern geboren werden.

Bei ihrem Flugvermögen und ihrer hohen Intelligenz ist es nicht überraschend, dass diese Zugvögel auch invasiv auftreten.

Auf den berühmten „Gänse-Weiden“ im Londoner Hyde Park sah ich allein drei als invasiv geltende Arten von Gänsen: Kanada- und Nilgänse sowie die indische Streifengans.
Die dort auf Hinweisschildern gegebenen Fütterungshinweise (beispielsweise gekochter Reis) beeindruckten mich mit ihrer typisch britischen unprätentiösen Art.

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Die bis knapp fünf Kilogramm schweren Graugänse (Anser anser) sind die klassischen deutschen Wildgänse und die Vorfahren der domestizierten Hausgänse.

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Zwei Dutzend weiterer in Deutschland brütend beobachtete Arten von Gänsevögeln sollen im Folgenden genannt werden. Etablierte Neozoen sind folgende in Deutschland brütende Gänsearten:

01.) Die meist den Halbgänsen zugerechnete Nilgans (Alopochen aegyptiaca)ist afrikanischen Ursprungs und lebt dort an nahrungsreichen Binnenseen und Flüssen.

Seit dem 18. Jahrhundert wird die Nilgans als Ziergeflügel in Europa gehalten, und bereits gegen Ende jenes Jahrhunderts hat es in Großbritannien freilebende Brutpaare gegeben. Diese Population wuchs bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf vierhundert bis fünfhundert Tiere an und blieb bis in die 1970er Jahre weitgehend stabil. Seit den siebziger Jahren erfolgt eine rasante Ausbreitung von einer aus den Niederlanden stammenden, wohl aus entflogenen Vögeln gebildeten Population. Diese Ausbreitungswelle erfolgt entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse und hat inzwischen im Süden die Grenze zur Schweiz erreicht, im Osten über die Donau auch Österreich. Als Brutvogel ist sie außer in den Niederlanden auch in Belgien etabliert.

In den letzten Jahrzehnten breitete sich die Nilgans entlang des Rheins in Mitteleuropa aus, wobei sie auch in städtischen Parks, an Badeseen und anderen von Menschen häufig frequentierten Orten vorkommt.
Seit 2015 ist die Nilgans in allen deutschen Bundesländern als Brutvogel nachgewiesen.

Zur Hauptnahrung der Nilgans gehören Gräser, daneben werden Getreidefelder regelmäßig aufgesucht. In Parks lebende Vögel fressen wie Stockenten auch Brot. Selbst strenge Winter wie 1995/96 und 1996/97 konnten den Nilgansbestand nicht negativ beeinflussen. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate ist zu erwarten, dass sich die Art noch weiter ausbreiten und flächendeckend in den Tieflagen Deutschlands brüten wird.

Die schnelle Ausbreitung der Art ist neben der Vermehrungsrate insbesondere auf ihre Anpassungsfähigkeit und ihr aggressives Verhalten gegenüber anderen Tieren zurückzuführen.

Die zunehmende Verbreitung der Nilgans wird insbesondere in urbanen Gebieten oft als Plage empfunden, da die Gänse z.B. aggressiv Liegewiesen erobern und sie so erholungssuchende Menschen stören können. Ferner wird der Kot auf Liegewiesen als hygienisches Problem und gesundheitliche Gefahr angesehen.
Nach dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) vom 25. November 2014 darf die Jagd auf Jungtiere der Nilgans ganzjährig ausgeübt werden, wenn eine entsprechend genehmigte Managementkonzeption vorliegt - ansonsten nur außerhalb der allgemeinen Schonzeit vom 16. Februar bis 15. April.

02.) Die Kanadagans (Branta canadensis) gilt als die weltweit am häufigsten vorkommende Gans. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist Nordamerika.

Die Kanadagans ist größer als die Graugans und damit die größte Gänseart, die in Europa in freier Wildbahn zu beobachten ist.

Hier wurde die Kanadagans zum Teil gezielt angesiedelt. Ein großer Teil der heute vor allem in Großbritannien, Irland, Skandinavien und den Niederlanden existierenden Populationen ist auf Gefangenschaftsflüchtlinge zurückzuführen.

Seit den 1970er Jahren ist die Kanadagans auch in Deutschland als Brutvogel vertreten.

03.) Die recht kleine (maximal bis 1.100 Gramm wiegende) Rostgans (Tadorna ferruginea) ist eine der sieben Arten der im deutschen Sprachraum auch als Kasarkas bezeichneten Gattung Tadorna.
Diese Halbgänse werden der Unterfamilie Tadorninae zugerechnet.

Rostgänse weisen sowohl Merkmale gründelnder Enten der Seichtwasserzone als auch Merkmale äsender Gänse angrenzender Weideflächen auf.

Rostgänse sind in den innerasiatischen Steppen und Halbwüsten beheimatet. In Europa gibt es wildlebende Populationen, die jedoch alle aus Gefangenschaftsflüchtlingen enstanden sind.

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Ebenfalls regelmäßig in Deutschland brütend aber noch nicht als etablierte Neozoen gelten:

1.) 04.) Die Weißwangengans oder Nonnengans (Branta leucopsis) ist eine Art der Gattung Meergänse (Branta). Ursprüngliches Verbreitungsgebiet sind Teile der Westpaläarktis. 2.)

Seit den 1970er Jahren besiedeln Weißwangengänse auch den Ostseeraum und wurden so zu Brutvögeln Mitteleuropas. Die Art hat sich seit den 1970er Jahren auf Gotland und Öland und seit Ende der 1990er Jahre in Deutschland (Schleswig-Holstein und Niedersachsen) sowie den Niederlanden angesiedelt.

Die Etablierung der Art ist, sofern noch nicht erfolgt, in naher Zukunft zu erwarten.

05.) Die Schwanengans (Anser cygnoides) ist eine Art der Gattung Feldgänse (Anser). Schwanengänse wurden vermutlich bereits vor 3.000 Jahren in China gehalten. Die domestizierte Form der Schwanengans ist die Höckergans.

Die Art brütete ursprünglich in Sibirien und der Mongolei und überwintert in China etwa zwischen dem Jangtse und Kanton.

Tiere dieser Art wurden erst in den 1920er Jahren nach Europa und 1937 erstmals in Europa zur Nachzucht gebracht. Reine Schwanengänse findet man in Deutschland beispielsweise im Tierpark Berlin.

In Europa gibt es eine freilebende Population in der Region Rhein-Neckar. In Heidelberg findet man die Tiere vornehmlich auf der Neckarwiese. Im Jahr 2004 umfasste die Population etwa 180 Tiere, wurde dann aber von der Stadtverwaltung auf etwa zwei Dutzend Tiere reduziert. 2020 war der Bestand wieder auf ca. 110 Gänse angewachsen.

Auch in den nicht weit entfernt gelegenen Rheinauen um Lampertheim gibt es einen Bestand von etwa 40 Gänsen. Diese zum Teil mit ihrer domestizierten Form - der Höckergans - verbastardierten Vögel gehen wohl auf erstmals 1956 in Holland zur Fortpflanzung gebrachte Tiere zurück (gekreuzt wurden zwei wild gefangene Schwanenganter und zwei Höckergänse, die man dann wieder mit Schwanengantern rückkreuzte).

06.) Die Streifengans / Indische Gans (Anser indicus) ist eine ursprünglich in Zentral- und Südasien beheimatete Art der Feldgänse.

In Europa ist die Streifengans zumeist Gefangenschaftsflüchtling - die meisten Tiere sind wohl aus Zoos und Tierparks, öffentlichen Gartenanlagen mit Ziergeflügelteichen oder privaten Haltungen entkommen.

In den Niederlanden existiert mittlerweile eine sich selbst reproduzierende Population. Auch in Deutschland kommt es regelmäßig zu Freilandbruten von Streifengänsen, so beispielsweise im Englischen Garten in München. Diese Populationen werden aber noch nicht als dauerhaft etabliert angesehen.

Ob sich die Streifengans langfristig als Neozoon halten kann, ist unklar, da sie recht leicht mit Graugänsen verbastardiert. Da die Nachkommen fruchtbar sind, werden neuauftretende Streifengänse letztendlich wohl in der Grauganspopulation aufgehen.

07.) Die Brandgans (Tadorna tadorna) gehört zur Unterfamilie der Halbgänse (Tadorninae). Sie kommt in zwei voneinander getrennten Populationen vor, die unterschiedliche Lebensräume nutzen: Die europäische Population lebt vor allem an Küsten, die asiatische dagegen überwiegend an salzigen und brackigen Steppengewässern.

Brandgänse brüten an den europäischen Atlantikküsten bis zur Biskaya und auch an den Küsten der westlichen Ostsee sowie im Bereich des Kaspischen Meeres. Weitere, kleinere Ansiedlungen gibt es im Westen des Mittelmeerraums.

In Deutschland ist die Brandgans vorwiegend Brutvogel im Küstengebiet und auf den Inseln der Nordsee und der westlichen Ostsee. Als Brutvogel bleibt sie vor allem an der Meeresküste, dringt aber auf der Suche nach geeigneten Bruthöhlen auch weiter ins Landesinnere vor.

Stabile Brutvorkommen im Binnenland gibt es vor allem am Niederrhein (seit 1961) und in den Rieselfeldern bei Münster (seit 1985), außerdem auch an der Elbe aufwärts bis Dessau.

Junge Brandgänse sind auch außerhalb der Brutzeit auf den größeren Binnengewässern in ganz Deutschland zu sehen.

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Unregelmäßig oder nur vereinzelt brütende Neozoen ohne Anzeichen einer dauerhaften Etablierung sind

08.) Schneegans (Anser caerulescens) - Die einzige beständige Schneeganspopulation Deutschlands besteht seit 19984 am ca. 2,8 ha großen Parkgewässer „Jröne Meerke“ im Westen der Stadt Neuss. Bis 2012 war der Bestand auf etwa einhundert dieser schneeweißen Gänse angewachsen.

09.) Rothalsgans (Branta ruficollis),

10.) Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus),

11.) Blässgans (Anser albifrons),

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Die Gattung der Schwäne (Cygnus) gehört ebenfalls zur Familie der Entenvögel (Anatidae) und wie die nahe verwandten Gänse selbst zur Unterfamilie der Gänse (Anserinae).

Heimisch ist in Deutschland der Höckerschwan (Cygnus olor).

Daneben sind seltener auch der Singschwan (Cygnus cygnus) und der Zwergschwan / Pfeifschwan (Cygnus columbianus) in der eurasischen Unterart (Cygnus columbianus bewickii) als Zugvögel und selten auch brütend zu beobachten, wobei der

12.) Singschwan um 2010 wohl auch schon den Etabliertenstatus erreicht hat. Regelmäßige Bruten sind in Deutschland seit 1984 insbesondere in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Schleswig-Holstein nachgewiesen, der Bestandstrend wird als zunehmend eingestuft.

13.) Der aus Australien stammende Schwarzschwan / Trauerschwan (Cygnus atratus) brütet seit 1982 regelmäßig in Deutschland (Nordrhein-Westfalen), etabliert ist er hier seit etwa 2008.
Auch in den Nachbarländern Großbritannien, Niederlande und Belgien ist die Art bereits etabliert.


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Entenvögel (Anatidae) bilden die artenreichste Familie der Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes).

Stockente, Schellente, Schnatterente, Tafelente, Reiherente, Löffelente, Eiderente und Krickente sind mehr oder weniger bekannte heimische Entenarten.

14.) Pfeifente, 15.) Spießente und 16.) Kolbenente haben in den zurückliegenden Jahren den Etabliertenstatus erreicht und zählen somit ebenfalls zu den in Deutschland heimischen Entenarten.



17.) Die Schwarzkopf-Ruderente (Oxyura jamaicensis) ist einer der typischsten Vertreter der Ruderenten.

Die ursprünglich nur in Nordamerika beheimatete Art zählt in Europa zu den Gefangenschaftsflüchtlingen, die sich mittlerweile so fest etabliert haben, dass sie als fest eingebürgert und somit als Neozoen gelten. Da sie sich stark mit den in Europa ansässigen und stark gefährdeten Weißkopf-Ruderenten paaren und diese langfristig zu verdrängen drohen, sind umfangreiche Maßnahmen eingeleitet worden, um diese eingeschleppte Art innerhalb Europas einzudämmen.

1948 wurden nachweislich sieben Schwarzkopf-Ruderenten (vier Männchen und drei Weibchen) aus den USA nach Großbritannien importiert. Zwischen 1953 und 1973 gelangten dann insgesamt etwa 90 Nachfahren dieser Tiere als Gefangenschaftsflüchtlinge in die Freiheit; 1960 wurde die erste Freibrut festgestellt. Bis zum Jahr 2000 hatte sich die wildlebende Population in Großbritannien schon auf etwa fünftausend Tiere vergrößert.

Von Großbritannien aus erfolgte die Besiedlung des europäischen Festlandes. Erste Beobachtungen von freilebenden Schwarzkopf-Ruderenten in Deutschland stammen aus dem Jahre 1980. Seither werden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Schwarzkopf-Ruderenten sehr regelmäßig in der Sommer- und Brutzeit beobachtet. Im Süden Deutschlands sowie in Österreich und in der Schweiz werden Schwarzkopf-Ruderenten dagegen vor allem im Herbst und Winter beobachtet.

In Deutschland ist diese Art aber (noch?) kein regelmäßiger Brutvogel und deshalb auch (noch?) nicht etabliert.

Insgesamt wurden Beobachtungen von Schwarzkopf-Ruderenten aus 21 Ländern der westlichen Paläarktis gemeldet, in mindestens 11 davon kam es zu Brutversuchen. Regelmäßig werden Bruten in Island, Irland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Marokko verzeichnet.

Vor allem durch Hybridisierung ist die Schwarzkopf-Ruderente zur Hauptgefährdungsursache für die bedrohte südeuropäische Weißkopf-Ruderente geworden. Zum Schutz dieser einheimischen Ruderentenart werden daher in Portugal, Spanien, Frankreich und Großbritannien Maßnahmen zur Bestandsregulierung bzw. -eliminierung wildlebender Schwarzkopf-Ruderenten durchgeführt. In Großbritannien hat dieses drastische Vorgehen zu einer umfangreichen öffentlichen Debatte über Tier- und Naturschutz geführt.

Die Schwarzkopf-Ruderente ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Spezies“ für die Europäische Union aufgenommen worden. In den EU-Staaten wie auch in der Schweiz ist die Einfuhr und Haltung von Schwarzkopf-Ruderenten verboten.

Die Art wird nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 40 als invasive Art betrachtet, die heimische Arten gefährdet. Es wird deshalb für Deutschland eine Beseitigung von entdeckten Tieren dieser Art gefordert, damit sich keine Populationen aufbauen können.

Lange war unklar, ob es parallel zur Einführung durch den Menschen auch eine Ausbreitung auf natürlichem Wege gegeben hat. Mit Hilfe molekularbiologischer Methoden konnte mittlerweile eindeutig festgestellt werden, dass die europäische Population der Schwarzkopf-Ruderente tatsächlich ausschließlich aus den Nachfahren der ersten britischen Gefangenschaftsflüchtlinge besteht.

18.) Die hübsche und oft als Ziergeflügel gehaltene mittelgroße Mandarinente (Aix galericulata) war ursprünglich nur in Ostasien beheimatet und zählt heute in Deutschland (wie u.a. in Österreich, in der Schweiz, in Belgien, in den Niederlanden und in England) zu den etablierten heimischen Entenarten.

19.) Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete, gleichfalls mittelgroße und sehr attraktive Brautente (Aix sponsa) ist ebenfalls als Ziergeflügel sehr beliebt. Eine Etablierung ist in Mitteleuropa trotz vieler Gefangenschaftsflüchtlinge noch nicht erfolgt, aber in näherer Zukunft durchaus wahrscheinlich.

20.) Die Moorente (Aythya nyroca) ist eine kleine Tauchente, die in den Steppen und Halbwüsten Asiens und in Osteuropa lebt, so insbesondere in Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der Ukraine.

In Deutschland kam die Art längere Zeit nicht mehr als Brutvogel vor. Seit 1999 brütet sie regelmäßig aber wieder im sächsisch-brandenburgischen Grenzgebiet und am Bodensee, seit 2010 auch in Mecklenburg-Vorpommern.

Unregelmäßig oder vereinzelt brütend und damit den Status von in Deutschland (noch?) nicht etablierten Neozoen habend sind
21.) Moschusente (Cairina moschata),
22.) Fleckschnabelente (Anas poecilorhyncha),
23.) Rotschulterente (Callonetta leucophrys),
24.) Bergente (Aythya marila).

Artikel von Dr. sc. Harald Hildebrandt - © Februar 2025.